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Sattler Prof. Dr. Dorothea Sattler,
Ökumenisches Institut, Münster

Sakramentalität des kirchlichen Amtes
Ökumenische Anliegen


Nach reformatorischer Lehre ist auch das Predigtamt göttlichen Rechtes - von Gott eingesetzt - so CA 5. Die öffentliche Predigt und die Feier der Sakramente bleiben gebunden an eine ordentliche Berufung in dieses Amt: rite vocatus müssen die Amtsträger sein (CA 14). Die Ordinationshandlung, die in der lutherischen Tradition nicht als Sakrament bezeichnet wird, weil sie keine Zeichenhandlung ist, die sich auf die Einsetzung durch Jesus Christus berufen kann, bleibt als Ministerium, als Dienst der Verkündigung und der Leitung in der Feier der Sakramente als ein von Gott gestiftetes Amt in der Kirche bewahrt. Über die Frage der Bezeichnung des kirchlichen Amtes als Sakrament ist im ökumenischen Gespräch recht leicht ein differenzierter Konsens zu erreichen. Weit schwieriger zu behandeln ist die Frage der Anerkennung der evangelischen Ämter als apostolisch begründet, zumal mit dieser Frage von römisch-katholischer Seite aus die Frage der Identität der Glaubensgemeinschaft als "Kirche im eigentlichen Sinn" verbunden wird.

Wie bei kaum einer anderen Thematik erleben wir in der ökumenischen Ekklesiologie die scheinbare Aussichtslosigkeit, durch theologische Argumentationen zu einer Veränderung der gegenwärtig nachhaltig angespannten Gesprächssituation beitragen zu können. Nicht-theologische Faktoren wirken sich auf die Dialoge aus.

Zu den Hoffnungszeichen in der ökumenischen Ekklesiologie gehört die Tatsache, dass auch die römisch-katholische Kirche sich in der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" dazu bekannt hat, daß die Rechtfertigungsbotschaft ein unverzichtbares Kriterium ist, um zu prüfen, ob die gesamte Lehre und die gesamte Praxis der Kirche auf Christus hin orientiert ist (GE 18).

Eines der jüngsten Dokumente zur ökumenischen Ekklesiologie, das im Jahr 2000 erschienene Studiendokument von "Faith and Order" über "Das Wesen und die Bestimmung der Kirche" , beschreitet einen zukunftsweisenden Weg in der ökumenischen Hermeneutik: Der Text beschreibt die bereits bestehenden Gemeinsamkeiten und verschweigt die offenen Fragen nicht. Zugleich lädt er alle christlichen Kirchen ein, zu den unterschiedlichen Selbsterfahrungen, von denen die einzelnen Kirchen berichten, Stellung zu nehmen und Vorschläge für den Weg hin zu einer umfassenderen Einheit zu unterbreiten.

In der Frage des Gemeinsamen Priestertums aller Getauften hat der ökumenische Dialog eine weitgehende Konvergenz erreicht.

Mit der Rede von der "Sakramentalität" des kirchlichen Amtes bringt die römisch-katholische Theologie ihre Überzeugung zum Ausdruck, daß Gott einzelne Menschen in den Dienst beruft, in ihrem ganzen Leben erfahrbarer Ort seiner weisenden, lehrenden, versammelnden, verbindenden, einigenden Gegenwart zu sein. Im ökumenischen Gespräch sind in diesem Fragezusammenhang drei Problembereiche zu erörtern: erstens das Verständnis des Charakter indelebilis des sakramentalen Amtes, zweitens die Frage der Möglichkeit, auch Frauen zur amtlichen Christusrepräsentanz zu berufen, drittens die Frage der Bezeichnung des kirchlichen Amtes als Sakrament.

Viele römisch-katholische Theologinnen und Theologen betrachten es als ein Zeichen der Hoffnung, dass seit vielen Jahren - vor allem in Europa und in den USA - auch innerreformatorische Bemühungen um die Wiedergewinnung des biblisch begründeten, altkirchlich geformten, dreigestaltigen Amtes zu erkennen sind. Auch in der schwierigen Frage der "apostolischen Sukzession" im Bischofsamt zeichnen sich Lichtpunkte am ökumenischen Horizont ab.

Es ist m.E. nicht möglich, mit Berufung auf das Neue Testament das kirchliche Amt entweder allein pneumatologisch-charismatisch oder allein christologisch-kultisch-eucharistisch oder allein ekklesiologisch-funktional zu bestimmen. Alle drei Perspektiven sind von bleibender Bedeutung: Das Amt dient dem lebendigen Gedächtnis Jesu Christi. Dieses vergegenwärtigende Gedächtnis geschieht kraft des Geistes Gottes primär in der Wortverkündigung sowie in der Feier von Taufe und Eucharistie.

Eine wichtige Frage in den zukünftigen ökumenischen Gesprächen wird sein, nach welchen Kriterien zu entscheiden ist, ob Gottes Geist im sichtbaren Gefüge einer ekklesialen Gemeinschaft wirksam gegenwärtig ist. Bei der Suche nach einer Möglichkeit, die evangelischen Ämter als apostolisch gegründet anzuerkennen, darf sich der Blick nicht von der gelebten existentiellen Gestalt ihres geistgewirkten Zeugnisses für Christus Jesus abwenden.

Vieles in der Ökumene hängt davon ab, welche Zielorientierung besteht. Meines Erachtens ist anzuzielen, daß Menschen, die sich zu Christus Jesus bekennen und in der Taufe an der Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott Anteil haben (Koinonia), an ihren jeweiligen Lebensorten alle Gestalten des kirchlichen Daseins teilen: den Geschöpfen dienen (Diakonia), in der Gesellschaft Zeugen für Jesus Christus sind (Martyria) und miteinander Gottes Gedächtnis feiern (Leiturgia).